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Italien
Paul Heyse: Italienische Volksmärchen

Margheritina  landet statt Birnen in der Vorratskammer des Königs – und hat es dem  Königssohn zu verdanken, dass alles zum Guten kommt. Geppone hingegen  kommt mit List und Hartnäckigkeit zum Ziel. Aschenbrödels italienische  Geschichte ähnelt der ihrer deutschen Cousine, wobei nur Aschenbrödel  selbst den Schuh anprobieren muss.

Die Märchen stammen aus Pisa,  Mugello oder ganz anderen Orten und sind schon vor über hundert Jahren  von Paul Heyse ins Deutsche übertragen worden. Heyse studierte  verschiedene Märchensammlungen italienischer Sprache und bemühte sich  bei der Übersetzung der von ihm ausgewählten Texte um Korrektheit: „(…)  während Wilhelm Grimm in den Kinder- und Hausmärchen sein dichterisches  Feingefühl walten ließ (…), gab ich den fremden Text ohne jede eigene  Zutat oder Redaktion wieder“. Das macht die vorliegende Sammlung  besonders reizvoll, finde ich – die Märchen kommen unverfälscht zu uns;  sie zeigen sowohl kulturelle Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede.

Nun  ist das Vorlesen von Märchen ja eine durchaus zwiespältige Sache, nicht  in allen Familien zählt es zum Vorlesekanon. Allen, die Märchen mögen,  sei dieses Buch aber wärmstens empfohlen.

Anaconda Verlag, Übersetzung: Paul Heyse, 978-3-7306-1351-1, € 9,95  
Beitrag von Ließchen Müller | Januar 2025 | Klasse 8 | Gymnasium Gernsheim
Marianna Coppo: „Lady Rabbit präsentiert:
Das Buch das deine Gedanken lesen kann“

„Zuerst muss ich dir ein Geheimnis verraten: Dieses Buch ist KEIN normales Buch. Dieses Buch kann nämlich zaubern. Ich will es dir beweisen. Dazu könnte ich meinen alten Freund aus dem Hund ziehen. Aber das würde dich nicht überzeugen, oder?“
Denn natürlich kann in einem Buch ALLES passieren. Ein alter Freund kann einfach hineingemalt und hineinerzählt werden. Die Erzählerin kann plötzlich fliegen oder ohne Kopf sein. Es gibt ja keine Vorschriften, was auf der nächsten Seite steht oder gezeichnet ist. Dieses Buch aber behauptet, dass unsere Erzählerin Lady Rabbit Gedanken lesen kann! Und dann setzt sie alles daran, das auch zu beweisen …

Jedes gute Bilderbuch ist geeignet, das Sehen, die Wahrnehmung überhaupt zu schulen. Das Bilderbuch von Marianna Coppo geht darüber hinaus: Den Zaubertrick kann man nur mitmachen, wenn man genau hinsieht und sich ausgiebig mit Zahlen beschäftigt. Dabei kann man selbst zählen, muss aber nicht. Natürlich will man dann auch herausfinden, wie der Zaubertrick funktioniert – und das ist eine wunderbare Schulung in Logik! Und weil es in Marianna Coppos Illustrationen darüber hinaus viele witzige Kleinigkeiten zu entdecken gibt, legt man das Buch sowieso nicht gerne aus der Hand.

Peter Hammer Verlag, Übersetzung: Benjamin Dittmann-Bieber, 978-3-7795-0746-8, € 18,00
Beitrag von Ließchen Müller | Januar 2025 | Klasse 8 | Gymnasium Gernsheim
Klaus Wagenbach: Mein Italien, kreuz und quer

Luciano de Crescenzo erzählt von einer Taxifahrt, bei der der Fahrer ihm das Verwarnungsgeld zurechnen wollte – und man weiß nicht so recht, wem man recht geben soll. Umberto Eco singt ein Loblied auf den Nebel, jedes Wort kann ich nachfühlen, Nebel mag ich und habe ihn im Rheintal ja auch oft. Roberto Begnini überlegt, ob Gott die sieben Todsünden aus eigener Erfahrung kennt. Michela Murgia beschwört lebenslange stabile Freundschaften durchs gemeinsame Spiel in der Kindheit. Und für Natalia Ginzburg ist das Tragen von kaputten Schuhen Symptom für ein selbstbestimmtes Leben als Schriftstellerin.

„Mein Italien, kreuz und quer“ ist eines dieser Bücher, die man nicht aus der Hand legen mag. Nicht, weil es besonders spannend ist – sondern, weil es so vielfältig und facettenreich, so erhellend und mitreißend ist. Der Verleger Klaus Wagenbach erkundete in den 1950er Jahren als Student zum ersten Mal Italien; er wollte sich intensiv mit italienischer Kunst beschäftigen, aber auch mit der Politik und der Literatur. Es war der Beginn einer langen Freundschaft, an der er uns mit diesem Buch teilhaben lässt. … Die erste Ausgabe stammt aus 2004, die jetzige dritte Ausgabe aus 2024. Ergänzungen und Änderungen hat, ganz im Sinne des großen Verlegers, Susanne Schüssler zu verantworten.

Mich wird das Buch sicher sehr lange begleiten. So wie italienische Literatur eh‘ schon sehr lange in meine Lesewelten eingezogen ist.

Verlag Klaus Wagenbach, verschiedene Übersetzer*innen, 978-3-83031-2827-0, € 18,00
Beitrag von Ließchen Müller | Januar 2025 | Klasse 8 | Gymnasium Gernsheim
Fabio Geda: Ein Sonntag mit Elena

„Mein Vater hatte den Samstag damit zugebracht, das Essen zu planen und sich Sonias, Gretas und Racheles Lieblingsgerichte ins Gedächtnis zu rufen.“ Es ist die mittlere Tochter Giulia, die diese Geschichte erzählt. Vom Sonntagessen, das wegen eines Unfalls ganz kurzfristig abgesagt werden muss. Und vom Vater, der nun überhaupt nichts mit sich anzufangen weiß und auch keine Verwendung für das bereits gekochte Essen für fünf Personen hat. Dazwischen erzählt uns Giulia Alltägliches aus der Vergangenheit und der Gegenwart – übers Familienleben, die Beziehung zu Geschwistern und Eltern, die Arbeit des Vaters. Auch über den Tod der Mutter berichtet sie und wie unterschiedlich jeder trauert. Der Vater jedenfalls macht an diesem Sonntag während eines Spaziergangs Bekanntschaft mit Elena und ihrem Sohn Gaston. Sie kommen nur langsam ins Gespräch, und doch ändert sich für alle drei – und für ihre Familien – durch diese Begegnung nach und nach das ganze Leben.

Es klingt ein bisschen wie schon oft gelesen: An einem dieser wirklich blöden Tage begegnet man Fremden und danach ist alles anders. Fabio Geda erzählt diese Geschichte aber sehr besonders – ohne falschen Ton, mit viele Wahrhaftigkeit und Ruhe, vor allem aber mit einer großen Zurückhaltung gegenüber seinen Figuren. Ich habe das sehr gerne gelesen, es ist wirklich was „fürs Herz“ ohne auch nur einen Hauch von Kitsch.

Verlag hanserblau, Übersetzung: Verena von Koskull, 978-3-446-27060-2, € 10,00  
Beitrag von Ließchen Müller | Januar 2025 | Klasse 8 | Gymnasium Gernsheim
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